Braver Hund, Wind und ein Gedanke im Gepäck
Montagmorgen. Auf der Agenda steht ein neuer Impuls für die werdenden und jungen Mütter meiner kleinen WhatsApp-Gruppe. Was könnte ihnen heute einen Gedankenstupser geben?
Oft kommen mir gute Ideen, wenn ich morgens mit meinem Hund unterwegs bin. Das sind Zeiten, in denen ich meine Gedanken schweifen lassen kann. Nicht zu weit, denn das merkt der kleine Gauner und macht sich auf Mäusejagd. Als ob er es ahnen würde, ist er heute Hunderasse Superbrav. Meinem Gedankenfluss steht nichts im Weg.
Regenjacke statt Radltour
Es ist Juli und die letzten Wochen war es so heiß, dass selbst ich am Ende froh war, als der Regen kam. Aber heute – zu Beginn meiner ersten Urlaubswoche – ist es kälter, als erwartet. Zum Glück dachte ich noch an meine Regenjacke, bevor ich losging. Die mache ich nun zu, denn der Wind ist mehr als frisch.
Super! Wieso muss das Wetter denn gerade jetzt umschlagen? Ich hatte große Pläne für diese Woche. Radeln um den Ammersee, Ausflüge in den Biergarten, Baden in der Amper. Alles perfekt beim Wetter der letzten Wochen. Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt: da kann ich mir was anderes einfallen lassen. Diese Aktivitäten fallen offenbar ins Wasser der 90prozentigen Regenwahrscheinlichkeit. Etwas, was ich nicht beeinflussen kann, hat meine Absichten durchkreuzt.
Pläne, Pläne, nichts als Pläne
Doch schon bekomme ich das erste Geschenk dieses Wetters: die Inspiration für den Wochenimpuls für meine Frauen. Denn Planung ist ein Thema, das viele meiner Frauen bewegt.
Familienplanung, die Planung der Schwangerschaftsbetreuung, der geplante (errechnete) Entbindungstermin, der geplante (oder ungeplante) Kaiserschnitt, der Geburtsplan, meine geplanten Wochenbettbesuche, die Planung der Elternzeit, die Planung der Kinderbetreuung. Pläne, Pläne, Pläne.
Ich habe dazu Chat-GPT befragt und meiner virtuellen Assistentin fallen noch ungefähr fünfmal so viele Dinge ein, die rund ums Kinderkriegen organisiert werden wollen.
Plan B führt auf die Blumenwiese
Sie hat mir aber auch etwas vorgeschlagen, was ich besonders wichtig finde und fast vergessen hätte: Plan B.
Ich glaube, dieser sollte ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens werden. Plan B darf immer griffbereit sein. Er sollte die Überschrift tragen: „Die Blumenwiese finden“. So, wie das einem Bekannten von mir passiert ist. Passend zu meinen Gedanken entdecke ich an diesem Morgen beim Scrollen über Instagram seinen neuen Post. Er schreibt über seine Mountainbiketour, die ganz anders verlief, als geplant. Die Straße war gesperrt und er landete mit seinem Rad auf steilen Bergwegen. Am Ende erreichte er allerdings einen Gipfel und genoss eine großartige Aussicht. Die hätte er auf seiner ursprünglichen Tour nicht gefunden. Er schreibt: „Es hat sich gelohnt“ und lacht strahlend auf dem Bild mit dem Gipfelkreuz.
Schau, was da blüht, wenn das Leben dich umleitet
Am meisten beeindruckt hat mich jedoch ein Bild aus seinem Post mit einer wunderschönen Bergblumenwiese. Diese Wiese erinnert mich an einen meiner Lieblingssätze: „Der größte Misthaufen ist der beste Dünger für den schönsten Blumengarten und die dicksten Zucchini.“ Dieses Foto versinnbildlicht für mich das, was uns mit einem Plan B passieren kann: Wir weichen gezwungenermaßen von einem Plan oder Wunsch ab und erfahren dadurch plötzlich Dinge, die wir sonst nicht gelernt hätten.
Wunschwelten auf Abwegen
Meistens ist das Abweichen unerfreulich: ein Schritt aus der Komfortzone, ein unumgänglicher Sprung ins kalte Wasser oder ein zähneknirschendes Annehmen von widrigen Umständen.
Im Zusammenhang mit meiner Arbeit fallen mir hier ganz viele Situationen ein, mit denen sich „meine Frauen“ schwertun. Das schwanger Werden geht nicht so einfach, im weiteren Verlauf ergeben sich Schwierigkeiten, vielleicht endet eine Schwangerschaft anders, als gehofft, die Geburt wird zum Kaiserschnitt statt zu einer Spontangeburt, das Stillen klappt nicht wie gewünscht. Und überhaupt: mit einem Baby kann man ja ohnehin gar nichts mehr planen.
Und immer: Was habe ich falsch gemacht?
All das ist natürlich nicht einfach nur: „Okay, es ist schlechtes Wetter, dann gehen wir halt ins Schwimmbad.“ Das alles sind schmerzhafte und zum Teil existentielle Erfahrungen. Manchmal reißen uns solche unwillkommenen Überraschungen in ein Loch. Selbstzweifel kommen auf, die Frage nach dem Warum steht im Raum. Sehr häufig schildern Frauen auch, dass sie sich als fremdbestimmt empfanden. Sie hatten das Gefühl, nicht mehr Herrin der Lage gewesen zu sein. Last but not least ist in vielen Fällen die Frage nach der eigenen Schuld im Hintergrund herauszuhören. „Was hätte ich anders machen können?“
Einsatz für Bergführer
Ganz wichtig ist in solchen Situationen eine gute Begleitung. Wenn ich vom geplanten Weg abweichen muss, brauche ich ein zuverlässiges Navi. Jemanden, der mich dann auf dem steilen Pfad führen kann und mir die Hand reicht, wenn es rutschig wird. Und eine Person, die mir sagt: „Nicht nach unten schauen!“ wenn neben mir der Abgrund lauert. In meiner Praxis bin ich oft und gerne diese Bergführerin und fungiere als Kartenleserin durch unwegsames Gelände. Denn ich weiß: am Ende dieses Weges wartet etwas, was man sonst nicht entdeckt hätte: der wunderbare Ausblick in die Zukunft. Eine bunte Blumenwiese, die zum Verweilen einlädt mit Pflanzen, die man noch nie gesehen hat. Ein Duft von Freiheit und Frieden, der uns umfängt.
Hier kommen die dicken Zucchini
Für das echte Leben heißt das: die Frau erfährt eine neue Stärke, sie erlangt einen anderen Blickwinkel auf das Leben, sie erkennt, was wirklich wichtig ist. Ganz wichtig ist die Erkenntnis: die Frau hat zu jeder Zeit ihr Bestes getan und viel geleistet. Und nicht selten resultiert aus solchen Erfahrungen auch der Wunsch, anderen Menschen zu helfen und etwas für die Gemeinschaft zu tun. Viele hilfreiche Bücher und Lebenshilfeprogramme sind genau so entstanden.
Plan B ist keine Notlösung, sondern eine Einladung
Zurück zum Plan B möchte ich dich einladen, diesen immer in der Tasche zu haben. Plan B heißt, dem Leben zu erlauben, eine andere Wendung zu nehmen und sich dafür zu öffnen, dass dieser Umweg neue Erfahrungen beinhaltet, die dich mit ziemlicher Sicherheit wachsen lassen. Klar, je nachdem wie stark der Plan abweicht, ist das unterschiedlich schwer. Aber: Wachsen ist selten bequem und du musst nicht sofort „Juhuuu“ schreien, wenn etwas anders kommt als gewollt. Du darfst natürlich erst mal weinen, schimpfen und traurig sein.
Aber ich möchte dich einladen, zu VERSUCHEN, dem Geschehen zu erlauben, dass es VIELLEICHT etwas Gutes für dich beinhalten kann. Fang einfach mal mit dieser ganz vorsichtigen Variante an und schau, was sich daraus entwickelt.
Bestes Geburtstagsgeschenk aller Zeiten
Zum Abschluss eine kleine Geschichte aus meinem Leben. Dazu vorweg ein Disclaimer: liebe Barbara, falls du das liest: du hast mir WIRKLICH, WIRKLICH, WIRKLICH eines der größten Geschenke meines Praxislebens gemacht. Sonst würde ich das hier nicht schreiben!
Vor ein paar Jahren hatte ich eine wunderschöne, große Praxis zusammen mit einem Heilpraktikerkollegen. Aufgrund einer Erkrankung fiel mein Kollege aus und es war klar, dass ich die Räume alleine nicht bezahlen konnte. Der Auszug stand eigentlich vor der Tür. Da fand sich eine nette Therapeutin, die sich bereit erklärte, mich zur Untermiete zu nehmen. Nach einigen Monaten entschied sie sich allerdings, mir zu kündigen, da sie die Räume für sich benötigte. Wie es der Zufall wollte, überreichte sie mir die Kündigung genau an meinem Geburtstag, was sie natürlich nicht wissen konnte. Ich liebe meinen Geburtstag und feiere ihn auch gerne. Die Kündigung war zunächst ein Schock für mich und ich musste eine Stunde ziemlich weinen, denn ich hing sehr an diesen Räumen. Nachdem die letzte Träne geweint war, entschied ich mich, vorsichtig einen anderen Blick auf die Sache zu wagen: „Heute ist mein Geburtstag. Die Sonne scheint und normalerweise bekommt man zum Geburtstag nur schöne Sachen geschenkt. Also ist diese Kündigung nun auch ein Geburtstagsgeschenk. Dann schauen wir mal, was daraus wird.“
Was soll ich sagen? Diese Kündigung war das Beste, was mir bezüglich meiner Praxisentwicklung passieren konnte. Nach einem Zwischenstopp in anderen Räumen fand ich ohne große Anstrengung die Räumlichkeiten, von denen ich immer geträumt hatte. Ich liebe es, dort zu sein und werde bleiben, solange es möglich ist. Meine Klientinnen fühlen sich an diesem Ort wohl. Wenn das kein Geburtstagsgeschenk ist! Also hier nochmal danke an Barbara!!!
Welche Blumen blühen bei dir?
Wo in deinem Leben war der Plan B schon mal besser, als Plan A? Für welche Dinge magst du dir erlauben, mal zu VERSUCHEN, einen anderen Blickwinkel einzunehmen? Schreib mir gerne in den Kommentaren. Ich freue mich über Kontakt zu dir.
Und denk immer dran: ich bin nur einen winzigen Schritt weiter als du. Ich bin gerade über den Bach gehüpft und reiche dir die Hand, damit du auch darüber kommst. Vielleicht gehst du den weiteren Weg dann viel schneller, als ich. Und alles, was ich schreibe, ist auch ein Reminder an mich selbst.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude an den Blumen
💕Von Herzen,
Deine Birgit
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