Der Kopf nickt, das Herz zuckt die Schultern
Manche Wahrheiten begleiten uns über Jahre. Sie werden uns mehrfach von allen möglichen Seiten präsentiert. Jedes Mal nicken wir innerlich und stimmen brav zu. Denn mit dem Kopf wissen wir, dass diese Tatsache wahr ist. Aber irgendwie ist es, als ob sie zwischen den Ohren hängen bleiben würden und das Herz nicht erreichen.
Zum Beispiel der Satz: „Du musst erst gut für dich selbst sorgen, bevor du dich um andere kümmern kannst.“ Klingt irgendwie wahr, oder? Kannst du es spüren oder hast du nur in deinem Kopf eine unbestimmte Ahnung, dass das stimmen könnte?
Oder dieser: „Das Leben ist jetzt.“ Eine scheinbare Binsenwahrheit. Wie oft haben wir das schon mit einem Augenrollen abgenickt?
So ist es mit vielen dieser Sätze. Wir hören sie jahrelang. Doch wir handeln meist ganz anders. Wir funktionieren, kümmern uns, sind für andere da. Manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Erst wenn die Seele nicht mehr kann, wird sie leiser. Oder der Körper wird lauter und produziert Symptome. Dann kann es zu einer Erkrankung kommen, die uns zum Nachdenken zwingt.
Das Leben schenkt den Sinn
Es sind meist einschneidende Ereignisse, die den tiefen Wahrheitsgehalt dieser Sätze für uns begreifbar machen. Eine Krankheit, der Verlust einer geliebten Person oder andere schwerwiegende Lebensereignisse bringen uns dann buchstäblich zur Be-SINN-ung. Plötzlich werden diese Sätze lebendig. Dann sind sie nicht mehr bloß ein Gedanke – sondern eine Erfahrung, die in uns schwingt. Nicht selten bereuen wir dann, dass wir diesen banalen Sätzen so lange keine Beachtung geschenkt haben.
Wie schön wäre es dagegen, wenn diese Sätze unser Herz erreichen würden und uns die tiefe Wahrheit greifbar werden würde, bevor wir mit der Holzhammermethode darauf hingewiesen werden. Manchmal funktioniert das. Wenn wir bestimmte Dinge immer wieder hören, darf uns das schon einmal aufmerksam werden lassen. Meist ist die Erkenntnis dann noch weit weg. Aber manchmal passiert es, dass es im weiteren Verlauf irgendwann einen Menschen gibt, der eines Tages den richtigen Zeitpunkt erwischt, die richtige Tonart oder die richtigen Worte. Vielleicht ist es auch die richtige Geschichte, mit der uns diese Botschaft endlich begreiflich wird und wir diese im wahrsten Sinne des Wortes ver-inner-lichen können. In uns aufnehmen und umsetzen können.
Vom Denken zum Spüren
Ich selbst habe diese Erfahrung mit einem Satz gemacht, der bei weitem keine weitreichenden Konsequenzen hat. Doch es war ein Thema, das mich gedanklich immer mal wieder beschäftigt und dessen Auswirkungen mich beeindrucken. Ich war und bin schon immer davon überzeugt, dass wir Menschen miteinander und mit der Natur weitaus mehr verbunden sind, als das im ersten Moment offensichtlich ist.
Im Zusammenhang damit hörte ich immer wieder das Bibelzitat “Die ganze Welt ist in einem Sandkorn zu finden.” Irgendetwas in mir sagte mir, dass das vermutlich stimmt. Aber wirklich begriffen hatte ich es nie.
Eines Tages hörte ich ein Hörbuch von Thich Nhat Hanh. Falls du ihn nicht kennst: er war ein vietnamesischer Mönch. Ein absolut wundervoller Mensch mit tiefer Weisheit. Er schreibt über eine Blume. Und darüber, dass in dieser einen Blume alles enthalten ist: Der Regen, der sie nährte. Die Erde, in der sie wurzelt. Die Sonne, die sie wärmte. Der Mensch, der sie pflanzte. Und auch all das, was diesen Menschen geformt hat, also seine Eltern, seine Umwelt, seine Ernährung. Ohne all das könnte die Blume nicht existieren.
Beim Hören spürte ich auf einmal, was ich so lange nur gedacht hatte: Dass wirklich alles in allem enthalten ist. Dass nichts getrennt ist. Und dass ich mit allem verbunden bin.
Zum ersten Mal verstand ich wirklich, was es bedeutet, wenn es in der Bibel heißt: „Die ganze Welt ist in einem Sandkorn zu finden.“
Worte sind mehr als Worte
Nun ist das keine lebensverändernde Wahrheit. Nichts, dessen Nichtbeachtung gesundheitliche Folgen haben könnte. Für mich war es trotzdem eine tiefe Erkenntnis. Ich merkte zum ersten Mal, dass ich lange etwas hören kann, ohne es zu begreifen. Vor allem aber lernte ich, dass jeder Mensch irgendwann seinen Lehrer finden kann. Die Lehrerin, die die Worte so wählt, dass der Samen auf fruchtbaren Boden fällt und daraus eine Erkenntnis und in manchen Fall vielleicht sogar eine Veränderung des Lebens erwachsen kann.
Ich schreibe hier, weil ich glaube, dass Worte mehr können als informieren. Sie können scharfe Waffen sein und tiefe Wunden hinterlassen. Deshalb sollten wir unsere Worte mit Bedacht wählen und erst denken, bevor wir sprechen. Übrigens auch so eine Binsenweisheit. Wie wahr diese aber ist, habe ich schon oft erleben können. Dazu wann anders mehr.
Worte können auch inspirieren und Türen öffnen. Eine kluge Frage bahnt manchmal den Weg zu einer neuen Erkenntnis oder einer anderen Sichtweise. Gelegentlich kann sie sogar zu einer Lebensveränderung führen.
Vielleicht kann ich auch die eine oder andere Tür bei einer meiner Leserinnen öffnen. Möglicherweise verhelfe ich eines Tages auch jemandem zu einem ähnlichen Aha-Effekt, wie ich ihn erlebt habe. Und plötzlich wird immer wieder Gehörtes und im Kopf Verstandenes zu einer im Herzen gefühlten Wahrheit.
Mein Blog für Herz, Bauch und Leben
Hier auf meinem Blog möchte ich über Verschiedenes schreiben. Über meine Ansicht zu Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Hier gibt es so Vieles, was Frauen laut der allgemeinen Meinung tun oder lassen sollten. Das setzt unter Druck. Immer wieder werde ich schreiben, dass dein Bauchgefühl der einzig richtige Kompass ist. Diese innere Stimme zu kultivieren, ist gerade heute, wo uns so viele gegensätzliche Informationen erreichen, überlebenswichtig.
Aber ich möchte auch über das schreiben, was mich bewegt, was mich inspiriert hat, und welche Lektionen ich in meinem Leben lernen durfte. Gerade in den letzten Jahren machte ich viele buchstäblich WUNDER-volle Erfahrungen, die ich an der einen oder anderen Stelle teilen möchte. Oft dachte ich mir: “Mensch, DAS wenn ich doch mal früher gewusst hätte.” Dabei bin ich mir ganz sicher, dass ich einigen Wahrheiten tatsächlich schon früher begegnet bin und es früher hätte wissen können. Wenn ich denn gewollt hätte oder bereit dazu gewesen wäre. Womit wir wieder beim obigen Thema angelangt wären. Sie fielen zu dem damaligen Zeitpunkt bei mir eben nicht auf fruchtbaren Boden. Vielleicht ist ja dein Boden, liebe Leserin, gerade so weit. Wer weiß?Manchmal werde ich persönliche Geschichten erzählen oder medizinisches Wissen teilen und praktische Impulse geben. Lass dich einfach überraschen. Auch ich lasse mich überraschen von dem Weg, der nun vor mir liegt.
Und: wenn du Anregungen oder Fragen hast, freue ich mich über Nachrichten unter anfrage@birgit-amey.de
Bitte FRAGE!
Bei dieser Gelegenheit gleich noch ein wichtiger Hinweis für alle Frauen, die ich begleite:
ES GIBT KEINE “DUMMMEN” FRAGEN.
Ganz besonders nicht, wenn man schwanger ist. Wenn du wüsstest, was mir in der Schwangerschaft Kopfzerbrechen bereitet hat (und immerhin war ich schon 6 Jahre Hebamme!), dann wärest du tiefenentspannt mit deinen eigenen Fragen. Bestimmt erzähle ich das in einem meiner Artikel. Du wirst Tränen lachen!
Nun hoffe ich, dass meine Worte genau dann zu dir finden, wenn du sie brauchst. Vielleicht nicht beim ersten Lesen. Vielleicht auch nicht beim zweiten. Aber irgendwann – im richtigen Moment – vielleicht doch.
💕Von Herz zu Herz,
Deine Birgit
P.S.: Dinge, die ich dir erzähle, Wissen oder Tipps, die ich dir gerne weitergeben möchte, sind nicht angelesen oder irgendeinem Kurs entnommen. Alles, was ich schreibe und sage, sind die Edelsteine, die mir das Leben geschenkt hat und die ich gerne an dich weitergeben möchte. Somit sind meine Worte nie vom hohen Ross der vermeintlich unfehlbaren Therapeutin, die alles selbst so umsetzt. Nein. Ich bin all diese Wege vor dir gegangen. Ich bin vor dir über den Bach gesprungen und möchte dir die Hand reichen, damit du auch über dieses Hindernis hüpfen kannst.
Und manchmal ist das, was man seinen Klienten sagt, nur ein Reminder an sich selbst.


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